Da gab’s doch mal was …

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Deutscher Preis für Patientensicherheit

Sieger gekürt!

Berlin, Mai 2020 – Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) vergibt nun schon zum siebten Mal den Deutschen Preis für Patientensicherheit. Die in diesem Jahr prämierten Projekte haben eines gemeinsam: Sie verbessern nicht nur die Patientensicherheit in der eigenen Einrichtung, sondern sind darauf ausgerichtet, darüber hinaus zu einer sicheren Versorgung beizutragen. So bietet der Empfänger des erstplatzierten Preises, die Klinik und Poliklinik der LMU München, eine kostenlose überregionale Anlaufstelle für ÄrztInnen, ApothekerInnen und Pflegekräfte bezüglich der Arzneimitteltherapie in Palliativsituationen an. Und der Träger des Sonderpreises, das Evangelische Klinikum Bethel, hat einen in den sozialen Medien beliebten Clip erstellt, mit dem die Bevölkerung über das richtige Verhalten bei Verdacht auf Schlaganfall informiert wird.
 

„Ansätze für Verbesserungen der Patientensicherheit sind dann besonders wertvoll, wenn sie möglichst breit, also über die eigene Einrichtung hinaus, die Versorgung besser und sicherer machen. Das bedeutet aber auch, dass sie sich finanziell nicht genauso rechnen wie rein interne Anstrengungen. Wir freuen uns deshalb besonders, dass wir den Preis an Projekte vergeben können, die dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden,“ sagt Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit. Die Verleihung des Preises, der von B. Braun, der Ecclesia Versicherungsdienst GmbH, der MSD Sharp & Dohme GmbH sowie der Thieme Gruppe unterstützt wird, war eigentlich anlässlich der Jahrestagung des APS am 14. und 15. Mai vorgesehen, die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.
 

Der erste Platz, der mit 10.000 Euro dotiert ist, geht an die Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin der LMU München für das Projekt „Arzneimittelinformation Palliativmedizin“. Hier können sich ÄrztInnen, ApothekerInnen und Pflegekräfte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum bezüglich einer sicheren Arzneimitteltherapie für die von ihnen betreuten palliativen PatientInnen beraten lassen. Mehr als 1.000 Anfragen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden bereits beantwortet. Die Befragung der Anfragenden hat ergeben, dass die Praxisrelevanz der Auskünfte als hoch eingeschätzt wird und auch positive Effekte auf die Symptomkontrolle und somit die Lebensqualität der PatientInnen zu verzeichnen waren. „Mit der Verleihung des Preises wollen wir die Anlaufstelle noch bekannter machen und das zweckgebundene Preisgeld soll dazu beitragen, dass das kostenfreie Angebot weiter fortgesetzt werden kann,“ erklärt Ruth Hecker die Entscheidung der 10-köpfigen Preisjury, die sich aus den Bereichen Ärzteschaft, Pflege, Apotheke, Selbsthilfe und Kostenträger zusammensetzt.
 

An ein Projekt zur Erhöhung der Patientensicherheit durch automatisierte Aufbereitung von Ultraschallsonden des Interdisziplinären Ultraschallzentrums und Ultraschallforschungslabor der Klinik für Radiologie an der Charité geht der mit 6.000 Euro dotierte zweite Platz. Ultraschallsonden, über die wegen des engen Körperkontakts leicht Erreger verbreitet werden können, werden üblicherweise mittels manueller Wischdesinfektion gereinigt, was bereits von der KRINKO als bisher ungelöstes Infektionsrisiko identifiziert wurde. Das automatisierte Verfahren mit Integration in die Dokumentation im Krankenhausinformationssystem, das von den Preisträgern entwickelt und mittlerweile schon auf weitere Krankenhäuser ausgerollt wurde, verspricht wesentliche Verbesserungen beim Schutz der Patienten vor Infektionen während der Untersuchung. „Hier wird eine schon lange bekannte Lücke in der Hygiene, für die den Praktikern vor Ort keine Lösung zur Verfügung stand, praxistauglich geschlossen,“ lobt Ruth Hecker das Projekt von Dr. Lerchbaumer und seinem Team an der Charité.
 

Der dritte Platz und damit 3.500 Euro Preisgeld gehen dieses Jahr an ein Projekt der Anästhesiologie. Die elektronische Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in Anästhesie (eGENA) ist eine elektronische Gedächtnisunterstützung, die auf einem Computer oder Tablet im Operationssaal zur Verfügung gestellt wird, um bei Notfällen zu helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie stellt Informationen und Entscheidungshilfen zur Verfügung, die für die betreuten PatientInnen lebensrettend seinen können. „In einem Flugzeug gibt es Checklisten, um zu helfen, im Notfall, wenn alles schnell gehen muss und die handelnden Personen unter Druck stehen, keine wichtigen Schritte oder entscheidungsrelevanten Fragen zu vergessen. Eine solche Hilfe entlastet auch im Operationssaal und erhöht so die Sicherheit der Patientinnen und Patienten,“ weiß Ruth Hecker, selbst Anästhesistin, aus eigener Erfahrung.
 

Auch in diesem Jahr hat sich die Preisjury entschlossen, einen Sonderpreis zu vergeben, der zwar nicht mit einem Preisgeld verbunden ist, dafür aber mit der Unterstützung des APS, eine gute Initiative noch breiter bekannt zu machen. Der Preis geht an das Evangelische Klinikum Bethel, das zusammen mit dem bekannten Cartoonisten Ralph Ruthe ein Aufklärungsvideo zur Erkennung und richtigen Reaktion bei Schlaganfallsymptomen erstellt und anlässlich verschiedener Aktionstage weiter verbreitet hat. Insgesamt wurde das Video seit Mai 2017 auf den unterschiedlichen Kanälen 1.337.978 Mal (Stand: 30.10.2019) aufgerufen. Das Video wurde seit Veröffentlichung insgesamt 36.920 Mal von Usern geteilt. Es ist verfügbar unter: www.youtube.com/watch. „Genauso stellen wir uns eine gelungene Aufklärung der Bevölkerung vor,“ fasst Ruth Hecker die Einschätzung der Preisjury zusammen.
 

Die Vorstellung der prämierten Projekte findet sich auch auf der Webseite des APS unter: 
www.aps-ev.de/Preistraeger/dpfp2020/